--Lekture Trommeln
Ein Text über Trommel - Musik! Über ein Thema, das diesem Medium
(Text) so fremd
ist, wie es nur etwas auf dieser Welt sein kann. Trommeln, das heißt
in einem Rhythmus
zu sein, ganz in dem Moment der Gegenwart sich zu bewegen, jede Wahrnehmung
und
jeden Impuls sofort umzusetzen und nicht in Worten und Begriffen darüber
nachzudenken. So kinderleicht und erwachsenenschwer! Lesen dagegen heißt,
sich die
Gedanken führen lassen, nach- oder besser gesagt noch einmal zu denken,
was jemand
anderes gedacht und aufgeschrieben hat. Wie kann das zusammen laufen? Und
wozu?
Die Antwort ist nicht schwer. Auf dem Weg zu flüssiger Rhythmus-fester
Spielweise gibt
es einige wesentliche Hindernisse, die sich im Bereich unseres bewußten
Ichs befinden.
Eigentlich sind es ja die Hände, die Arme, die Schultern, der Rücken,
der Bauch, die
Beine, die Füße, der Körper, die Trommeln erlernen. Unser
bewußtes Ich möchte aber
diesen Lernvorgang kontrollieren, verstehen, analysieren, beeinflussen. Es
verlangsamt
und hemmt die Wahrnehmung und die Reaktionen darauf, um sozusagen in Zeitlupe
den
ganzen Ablauf der Musik mitverfolgen zu können. Die Musik wird langsamer.
Rhythmus
darf aber eines nicht werden: Langsamer! In dem Moment, wo ein Rhythmus langsamer
wird, entsteht ein Bruch, ein Riß in der Musik, durch den alle Kraft
und alle Magie
verschwindet.
Kann man aber das bewußte Ich daran hindern, sich einzumischen? Auch
diese Antwort
ist einfach: Man kann es nicht! Aber man kann - ich tue das gerade eben -
mit diesem Ich
reden, ihm erklären, was passiert, es beruhigen und ihm etwas zu denken
geben, etwas
ernsthaftes, seriöses, etwas vernünftiges, logisch aufgebautes,
etwas an dem es sich
orientieren kann, eine kleine Anleitung, wie man als bewußtes Ich auf
Kontrolle
verzichten kann, mit dem sicheren Gefühl, gerade durch diesen Verzicht
Kontrolle
auszuüben. Alle Situationen, in denen das Ich seine Grenzen kennenlernen
kann, sind
wertvolle Perlen auf einer Schnur, jede einzelne ist wertvoll und doch ergeben
sie erst
hintereinander und nebeneinander die Kette die wir brauchen um zu binden,
was
gebunden werden muß.