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SCHWARZKUNST
Authentische Tänze - Authentischer Tanz - Authentische Tänzer
Wenn ich in fremden Kulturen etwas entdecke, das mir
schmeckt, so
kann ich es
entweder übernehmen und nutzen, oder es ablehnen als kulturfremd. Es
abzulehnen heißt:
Ich kann mich nicht mehr geistig frei bewegen, da ich ja darauf achten muß,
kulturfremde
Elemente nicht zu benutzen, nachzuerfinden oder nachzuäffen. Ich bleibe
dann im
kulturellen Sinne authentisch. Für mich als Mensch allerdings ist eine
derartigen
Haltung dumm und unproduktiv. Sie stammt aus der Angst davor, der Lächerlichkeit
preisgegeben zu sein ( Weiße Trommler, japanische Jodler etc.), und
aus einem Gefühl
rassischer Minderwertigkeit.
Kulturfremde Elemente zu übernehmen und zu nutzen kann auf unterschiedliche
Weise
geschehen. Eine Möglichkeit ist es, die Quellen
dogmatisch als
richtig zu betrachten
und sich strikt an die authentische Quelle zu halten. Es entsteht eine feste
Reihenfolge
von Liedern, Rhythmen werden langweilig und eintönig, Tänze folgen
rigider
Choreographie, es wird eingeübt, was einmal lebendige Improvisation
war, bis hin zum
Training tänzerischer Trance.
Auch dies nichts für freie Geister
.
Machen wir es also anders!
Es gibt eine nützliche und befriedigende Lösung. Die Argumentation
ist einfach.
Die ersten Bewegungen habe ich meinen Eltern abgeschaut. Danach lernte ich
Bewegungen von meinen Geschwistern, dann spielend von Freunden und
Klassenkameraden oder durch Nachmachen von Tieren ( wie kulturfremd!). Sportlehrer,
der Alltag auf der Straße, behinderte Mitmenschen, mechanisches Gerät,
die Tanzschule,
meine Kampfkunsttrainer, und natürlich mein langjähriger Lehrer
Okonfo Rao Kawawa,
der mir das Wesen einiger Westafrikanischer Tänze und Musiken nahebrachte,
sie alle
haben mir das Bewegungsrepertoire verpaßt, über das ich nun verfüge.
Irgendeinen Teil
davon abzulehnen (aus welchen Gründen auch immer), wäre vollkommen
schwachsinnig.
Wenn ich die Bewegungen so ausführen kann,daß sie mir und anderen
das bedeuten, was
der Geist von diesen Bewegungen fordert, dann ist vielleicht der Tanz im
Sinne einer
Quellengebundenen Tradition nicht mehr authentisch, aber
ich als Tänzer
und Musiker
bin es sehr wohl. Für mich mißt sich die Fähigkeit eines
Tänzers nicht nur daran, wie gut
er (oder selbstverständlich auch sie) seinen Körper beherrscht,
sondern ich schaue, wie
weit es ihm gelingt, dem eigenen Selbst oder anderen Geistern Ausdruck zu
verleihen.
Ich habe also mein Leben lang bei anderen abgeschaut und ich werde
auch nicht
freiwillig damit aufhören. Dabei schert es mich wenig, aus welcher Kultur
meine Beute
stammt. Vergessen wir nicht, daß es nur eine Welt gibt! Die Bedürfnisse
der Menschen
in allen Teilen der Welt sind sich sehr ähnlich. Wer Schwierigkeiten
hat,
einen westafrikanischen Brautwerbetanz nachzuempfinden, sollte dies lieber
nicht auf
sozio-kulturelle Unterschiede schieben, sondern sich mal in Ruhe hinsetzen
und über die
eigene Sexualität nachdenken !
Einige einfache Behauptungen
Tanz hat neben seinem dekorativ-unterhaltenden Charakter einige verstehbare
psychische
Aufgaben und einige Aufgaben, die auch darüber hinaus gehen.
Das Erlernen und Einüben einzelner Elemente bildet die Grundlage der
Sprache des
Tanzes
Ton, Bewegung, Gestik, Mimik sollen durch den Ausdruck
eines bestimmten
Geistes
geprägt sein.
Theater und echt empfundenes schließen sich gegenseitig nicht aus.
Die Grenzen fließen
ineinander und verschieben sich oft.
Die Beweglichkeit des Geistes schlägt sich in der Beweglichkeit des
Körpers angenehm
nieder. Umgekehrt erschließt eine bessere Körperbeweglichkeit
neue geistige
Möglichkeiten.
Tanzen zu definieren heißt es zu begrenzen. Der Tanzboden wäre
dann die kleine
Klarheit des bewußten Ichs.
In den grenzenlosen Dunst der Götterwelt hineinzutanzen
hat mehr Kraft in sich, macht mehr Spaß und bringt den Tänzer
weiter.